Gute Maga­zin­fo­to­grafie, die wirkt: 5 Wege, wie Bilder Story­telling stärken

In einem Magazin ist eine Geschichte beson­ders gut erzählt, wenn auch ihre Bilder auf die Story einzahlen. Wir zeigen euch fünf Beispiele, wie Foto­grafie-Stile, -Drama­turgie und -Perspek­tiven das Story­telling auf der Bild­ebene erlebbar machen.

Gute Foto­gra­fien lieben wir. Denn Bilder erzählen genauso wie Texte und zahlen direkt auf die Story ein. Je stärker ein Bild ist, desto stärker wirkt auch die Botschaft. Mit dem rich­tigen Stil, Blick­winkel und der passenden Insze­nie­rung lassen sich Inhalte gezielt unter­stützen und Geschichten klarer trans­por­tieren.

Manche Themen brau­chen Authen­ti­zität. Ein Foto­stil kann genau hier ansetzen und echte, unge­fil­terte Momente zeigen. Die Bilder erin­nern an spon­tane Schnapp­schüsse, direkt aus dem Leben gegriffen – fast so, als hätte es gar kein Shoo­ting gegeben. Gerade diese Natür­lich­keit macht sie so stark: Sie schafft Vertrauen, wirkt glaub­würdig und lässt Betrachter*innen unmit­telbar in die Geschichte eintau­chen.

Zwar sind hoher Kontrast, harte Schatten und sicht­bare High­lights nicht immer schmei­chel­haft für den Teint – in einer Story aber sind die authen­tisch und verleihen ihr Glaub­wür­dig­keit. Quelle: Titel des Fluter Maga­zins LIEBE, Winter 23/24

Die Hockey­spie­lerin ist gleich auf dem Weg von der Umklei­de­ka­bine zum Spiel, foto­gra­fiert wie von einem Papa­razzo.

Der Nach­wuchs­trainer wird vom fahlen Licht des Vereins-Kühl­schranks beleuchtet, während er Getränke einräumt. In dieser Geschichte geht es um den Zusam­men­halt in einem Sport­club. Die Protagonist:innen tragen einen Teil dazu bei, dass der Club erfolg­reich sein kann. Keine Fassade, kein Glamour, alles ist echt. Quelle: Öcher, das Kunden­magazin der STAWAG / Alles für den Club

Wo Menschen im Mittel­punkt stehen, lohnt es, auch den Porträts Raum zu geben. Das Münchner Stadt­ma­gazin MUCBOOK folgte diesem Gedanken in einer Cover­story über krea­tive Frei­räume im urbanen Raum doppelt: Die Porträts insze­nieren die sechs Protagonist*innen in ihren Räumen und das Magazin gibt diesen Bildern jeweils eine volle Doppel­seite mit einem Extra­dreh, der Fläche foto­gra­fisch ideal nutzt.

Diese Stecke hat 12 Seiten und stellt sechs Protagonist*innen und ihre indi­vi­du­ellen Frei­räume im urbanen Raum vor.
Das Foto der Künst­lerin in ihrem Atelier ist groß­zügig plat­ziert. Quelle: MUCBOOK, Ausgabe 17 / 2021

Diese Geschichte lebt von einer starken, charak­ter­vollen Persön­lich­keit und einer regio­nalen Beson­der­heit. Ein Gourmet verkostet die Aachener Weih­nachts­le­ber­wurst – ein Thema, das Neugier und auch ein leichtes Schmun­zeln weckt.

Die Foto­grafie setzt bewusst auf Insze­nie­rung: kräf­tige Farben, sorg­fältig plat­zierte Requi­siten und ein präziser einge­fan­gener Gesichts­aus­druck im rich­tigen Moment. Alles wirkt durch­dacht, ohne über­laden zu sein, und lenkt den Blick gezielt auf die Szene.

Gerade diese bewusste Gestal­tung macht das Bild so wirkungs­voll. Sie wertet das Thema auf, macht die Eigen­heit der Geschichte sichtbar und sorgt dafür, dass man Sympa­thie für die inter­viewte Person entwi­ckelt – und wissen will, was sie zu erzählen hat.

Starke Farben, insze­nierte Deko und ein perfekt getimter Gesichts­aus­druck: Der Aachener Gourmet, kurz bevor er genüss­lich in den unge­wöhn­li­chen Snack beißt – ein Rosi­nen­bröt­chen mit Leber­wurst. Die Head­line bringt es auf den Punkt. Quelle: Öcher, das Kunden­magazin der STAWAG /Aachen isst herz­haft und süß

Diese Geschichte lebt vom Eintau­chen in den Alltag eines Italie­ners namens Mimmo und trans­por­tiert Nähe, Wärme und Lebens­ge­fühl. Die Fotos begleiten den leiden­schaft­li­chen Koch Mimmo Schritt für Schritt: vom Nach­hau­se­kommen über das Kochen bis hin zum gedeckten Tisch nach dem Essen. Erst nach und nach zeigt sich mehr. Zunächst die Hand­lung, dann die Person, dann die Details seines Zuhauses. Die Bilder sind ruhig, beob­ach­tend und doku­men­ta­risch. Diese visu­elle Drama­turgie macht die Geschichte erlebbar. Leser*innen fühlen sich, als stünden sie selbst in Mimmos Küche, würden mit ihm spre­chen und könnten das Essen riechen.

Die Bild­strecke erzählt nicht nur, sie zieht hinein bis am Ende das Gefühl bleibt, selbst italie­nisch gesessen zu haben. Neben den authen­ti­schen Bildern (siehe Foto­gra­fie­stil 1) ist hier die Drama­turgie beson­ders. Die Fotos zeichnen eine eigene Geschichte: Vom Einkauf …

… über das Kochen in Mimmos Küche, …

… bis zum noch gedeckten Tisch mit der Bild­un­ter­schrift „Nach dem Mittag­essen liegt satte Zufrie­den­heit in der Luft über Mimmos Küchen­tisch.“ Quelle: Zeit Magazin Wochen­markt Nr. 4, 2023

Diese Stories nehmen Vertrautes und machen es neu erlebbar. Objekte oder Tätig­keiten, die wir eigent­lich kennen, werden aus ihrem gewohnten Kontext gelöst und rücken in den Mittel­punkt. Die Foto­grafie arbeitet dafür mit unge­wöhn­li­chen Perspek­tiven und Tech­niken: extreme Nähe durch Makro­auf­nahmen mit fehlender Größen­re­la­tion oder gezielt einge­setztes Licht. So entstehen Bilder, die Details sichtbar machen. Genau das verstärkt das Story­telling. Das Bekannte wirkt plötz­lich unge­wohnt und span­nend – und zieht die Aufmerk­sam­keit auf sich. Leser*innen schauen genauer hin, entde­cken neue Facetten und setzen sich inten­siver mit dem Inhalt ausein­ander.

Auf der 4. Umschlag­seite des Kunden­magazins von ebm-papst wird ein Objekt neu insze­niert und zeigt: So kunst­voll können Lüfter im Dienste der Kälte­technik sein.

In dieser Geschichte des Kunden­magazins von Rein­hausen geht es um die Kunst der Zerstö­rung.

Gezeigt sind ausge­wählte zerstörte Teile eines tech­nisch raffi­nierten Schal­ters. Die Teile fing der Foto­graf mit Makro­auf­nahmen künst­le­risch ein.

Diese wurden in einem Test­center über die Belas­tungs­grenze hinaus geprüft. Einen Blick auf die Teile und die dazu­ge­hö­rige Beschrei­bung bietet eine Über­sichts­seite.

Diese Story zeigt eine neue Perspek­tive auf die Arbeit im Test­center in Regens­burg. Die Botschaft der 8-seitigen Strecke: Auf die Produkte von Rein­hausen können sich Kunden wirk­lich verlassen. Quelle: ONLOAD, das Kunden­magazin von Rein­hausen.

Annina Werths
  • Autorin:
    Annina Werths
  • Datum:
    05.05.2026
  • Lesezeit:
    etwa 11 Minuten

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