„Jede Video­produktion braucht klare Ziele“

Die Filme­ma­cher Matthias und Corne­lius Bierer erklären im Inter­view, was Videos beson­ders gut können, warum Film­team und Auftrag­geber klare Ziele defi­nieren sollten und wie sich diverse Kanäle maßge­schnei­dert bespielen lassen.

Wenn euch jemand anruft und sagt, dass er oder sie ein Video mit euch machen will. Welche Frage stellt ihr als erstes?

Matthias: Meis­tens eine „Was“-Frage. Was soll erreicht werden, was ist das Thema, was der Inhalt, was die Aussage? Über das „Wie“ machen wir uns dann in einem späteren Schritt Gedanken.

Corne­lius: Wir bekommen tatsäch­lich ab und zu immer noch Anfragen nach dem Motto: „Ich will ein Video machen. Was kostet das?“ Da ist unsere wich­tigste Rück­frage, die nach dem Warum.

Welche Ziele lassen sich mit einem Video gut errei­chen?

Corne­lius: Die Möglich­keiten reichen von der Erklä­rung eines Produkts, über die Vorstel­lung eines Unter­neh­mens bis hin zu Erfolgs­geschichten oder der Bewer­bung oder Doku­men­ta­tion einer wich­tigen Veran­stal­tung. Meis­tens ist das Video ja Teil einer über­ge­ordneten Kommu­ni­ka­tion. Mit einem Video allein stei­gert man den Umsatz nicht um 500 Prozent. Wenn man sich realis­ti­sche Ziele steckt, dann muss man da auch nix ausschließen.

Wichtig ist, dass das Ziel so konkret und klar wie möglich defi­niert wird.

Matthias: Wichtig ist, dass das Ziel so konkret und klar wie möglich defi­niert wird. Es gibt immer mehrere Heran­gehens­weisen, wichtig ist, dass Besonder­heiten und Stärken heraus­ge­stellt werden und das Video kurz­weilig und vor allem ehrlich und authen­tisch ist, also zur Firma beziehungs­weise Marke passt. Schwierig wird es, wenn man zum Beispiel Produkte, Firma und Historie in einem Video darstellen will ─ und das Ganze span­nend und natür­lich emotional.

Gibt es Dinge, die Videos im Vergleich zu anderen Medi­en­gat­tungen beson­ders gut können?

Über wemake

Die Brüder Matthias und Corne­lius Bierer sind passio­nierte Filme­ma­cher. Unter der Firmie­rung wemake erzählen sie in bewegten Bildern Geschichten über In­dus­trie, Gesell­schaft, Sport und Kultur. Ge­mein­sam mit den Maga­zi­ni­kern arbeiten sie an diversen Projekten, unter anderem an dem Zukunfts­pro­jekt 6.0.

Matthias: Videos sind immer sinn­voll, um Dinge zu erklären und kompli­zierte Sach­ver­halte zu verdeut­li­chen. Klar kann man sich viele Themen erar­beiten oder erlesen, indem man sich intensiv mit ihnen beschäf­tigt. Aber wer hat schon die Zeit dafür? Ein Video bringt den Zuschauer viel schneller dazu, einen Zugang zu finden und Dinge zu verstehen. Sofern der Einstieg ins Video so gemacht ist, dass es auch ange­schaut wird.

Corne­lius: Außerdem können wir mit Videos Emotionen wecken. Das ist mit einem Foto oder Text ungleich schwerer. Ein Film spricht mit Bildern, Musik und Text mehrere Wahr­neh­mungs­ebenen gleich­zeitig an und dringt damit viel leichter zu den Gefühlen eines Menschen vor.

Wenn das Ziel fest­steht, wie entwi­ckelt ihr eine gemein­same Vorstel­lung des Produkts mit euren Auftrag­ge­bern?

Corne­lius: Im Ideal­fall hat der Kunde schon eine grobe Vorstel­lung davon, was er haben will. Wenn sich diese aus unserer Sicht eignet, die ge­wünsch­ten Ziele zu errei­chen, entwi­ckeln wir daraus ein Konzept, wobei der ursprüng­liche Ansatz durch unsere Ideen erwei­tert wird. Sehen wir in einem anderen Ansatz mehr Poten­zial, bespre­chen wir das gemeinsam und einigen uns auf eine Heran­gehens­weise.

Durch viel Kommu­ni­ka­tion und das Einbe­ziehen von Anfang an stellen wir sicher, dass am Ende nicht nur wir das Ergebnis toll finden, sondern auch der Kunde.

Matthias: Hat ein Auftrag­geber noch keine Idee, entwi­ckeln wir diese gemeinsam mit ihm. Oft geht es auch erstmal darum, sich einer Rich­tung anzu­nä­hern. Beispiele von anderen Filmen, positiv wie negativ, sind dabei hilf­reich. Durch viel Kommu­ni­ka­tion und das Einbe­ziehen von Anfang an stellen wir sicher, dass am Ende nicht nur wir das Ergebnis toll finden, sondern auch der Kunde.

Wie haltet ihr diese gemein­same Vorstel­lung fest?

Corne­lius: Das kommt immer auf das Projekt an. Manchmal reichen Grund­botschaft, Mood­bilder und ein Dreh­buch mit den Kern­aussagen. In anderen Fällen machen wir auch ein Story­board und legen Details genauer fest. Wichtig ist es, bei jedem Projekt die rich­tige Balance zwischen krea­tivem Spiel­raum und klaren Abspra­chen zu finden.

Matthias: Was man auch nicht vergessen darf: Wir sind zwei Filme­macher und keine große Video­agentur, die immer ihre Prozesse durch­zieht, ob es notwendig ist oder nicht. Wir können mehr impro­vi­sieren und flexibel reagieren, wenn sich Bedin­gungen ändern.

Corne­lius: Stimmt, das ist ein weiterer Faktor. Wenn am Set 20 Personen stehen ─ mit Be­leuch­tern, Set-Runnern und Kame­ra­leuten ─ dann muss jeder Bescheid wissen, was als nächstes folgt. Das ist bei uns anders. Wenn wir beim Dreh auf­tau­chen, haben wir beide uns Gedanken gemacht und selbst einen kleinen Dreh­plan er­arbeitet. An dem orien­tieren wir uns, können aber auch spontan vor Ort entscheiden: Ok, wir machen es doch anders. Und das so, dass diese Ände­rungen allein keine zwei Stunden ver­schlingen.

Welche Trends beob­achtet ihr über die letzten Jahre in der Video­pro­duk­tion?

Matthias: Wie auch wir denken unsere Kunden immer weniger in einem einzigen Video und statt­dessen in mehreren Platt­formen, auf denen sie präsent sind. Vor fünf Jahren ging es eher darum, einen Fünf-Minuten-Film für die Home­page zu drehen. Heute funk­tio­niert das oft nicht mehr. Statt­dessen gibt es eine Produk­tion, aus der dann Videos und Clips für Website, Social Media, YouTube, Messen und andere Kanäle produ­ziert werden.

Was können Unter­nehmen aus eurer Sicht selbst produ­zieren, wo liegen die Grenzen?

Corne­lius: Im Social-Media-Bereich und auch bei tages­aktuelleren Themen müssen die Filme nicht immer von Profis kommen. Nehmen wir Insta­gram Reels oder TikTok: Da ist man ja umgeben von Hobby­vi­deos und sticht mit Profi­vi­deos eher heraus. Sobald das Video für ein höher­wer­tiges Umfeld gedacht ist – etwa für Kino­wer­bung oder eine Messe – kommen Unter­nehmen mit Eigen­produktionen an quali­ta­tive Grenzen. Solange man aber weiß, was man will und was die Aussage ist, kann man auch dafür selbst Clips produ­zieren – da ist es dann nur auch wichtig, auf einige Basics zu achten.

Solange man weiß, was man will, kann man manche Clips auch selbst produ­zieren – wenn man auf einige Basics achtet.

Matthias: Die Frage ist auch: Geht es um etwas Reprä­sen­ta­tives oder etwas rein Infor­ma­tives. In beiden Fällen ist es wichtig, eine schlüs­sige Geschichte zu erzählen. Letz­teres können Kom­mu­ni­ka­toren in Unter­nehmen gege­be­nen­falls auch mit Bord­mit­teln machen.

Corne­lius: In der internen Kommu­ni­ka­tion kommt es beispiels­weise auch auf die Komple­xität und Trag­weite der Botschaft an. Eine Mit­ar­bei­ter­vor­stel­lung oder die Doku­men­ta­tion eines klei­neren Events kann die Un­ter­neh­mens­kom­mu­ni­kation auch selbst produ­zieren. Geht es aber um eine Umstel­lung von Unternehmens­prozessen, von denen tausende Menschen betroffen sind, dann sollte das wirk­lich jeder verstehen und es muss richtig rüber­kommen. Da sollten dann besser die Profis ran.

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Julian Stutz
  • Autor:
    Julian Stutz
  • Datum:
    08.11.2021
  • Lesezeit:
    etwa 6 Minuten

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