KI-Detektoren sollen zeigen, ob ein Text von Mensch oder Maschine stammt. Doch selbst ein perfekter Detektor beantwortet nicht die entscheidende Frage: Was macht einen guten B2B-Text aus?
Stellen wir uns zwei Anwenderberichte vor. Der erste wurde vollständig von einem Menschen geschrieben – und ist trotzdem austauschbar: allgemeine Aussagen, oberflächliche Beispiele, kaum erkennbare Perspektive des Unternehmens.
Der zweite entstand mit KI-Unterstützung, basiert aber auf Fachgesprächen, belastbaren Quellen und einer klaren redaktionellen These. KI half bei Transkription, Struktur und Formulierungsvarianten. Das Ergebnis ist verständlich, relevant und passgenau. Der zweite erfüllt seine Aufgabe besser. Nicht wegen der KI, sondern wegen der redaktionellen Vorarbeit. Trotzdem dreht sich die Debatte häufig um eine andere Frage: Wie viel Prozent dieses Textes stammen von KI?
Wie viel KI steckt in diesem Beitrag?
Herkunft der Sätze ist nicht gleich Qualität
Der Wunsch nach Orientierung ist verständlich: Mit generativer KI lassen sich schnell große Mengen sprachlich passabler Texte produzieren – samt Risiko austauschbarer Inhalte und ungeprüfter Aussagen. KI-Detektoren versprechen dafür eine einfache Kennzahl: 60 Prozent KI, 27 Prozent Mensch, 13 Prozent gemischt. Doch selbst ein fehlerfreier Detektor könnte weder Fakten prüfen noch Relevanz, Perspektive oder strategische Passung beurteilen. Die Herkunft einer Formulierung ist kein Qualitätsmaß.
Schreiben beginnt vor dem ersten Satz
Besonders in der B2B-Kommunikation entsteht ein Text nicht erst beim Schreiben, sondern viel früher. Am Anfang stehen meist komplexe Informationen: Interviews mit Fachleuten, technische Unterlagen, Produktbeschreibungen, strategische Botschaften und unterschiedliche Interessen innerhalb eines Unternehmens. Aus diesem Material entsteht aber noch lange keine Geschichte.
Dazu muss erstmal klar sein, was der Text leisten soll: Soll er ein komplexes Thema erklären, das Unternehmen positionieren, Vertrauen aufbauen oder eine Diskussion anstoßen? Und es muss geklärt werden, für wen er gedacht ist. Dann beginnt die Suche nach dem eigentlichen Kern: Was ist an dem Thema neu? Wo liegt ein relevanter Konflikt? Welche Erfahrung kann das Unternehmen beitragen, die nicht bereits überall zu lesen ist?
Ein guter B2B-Text ordnet Wissen und spitzt es zu, ohne es zu verfälschen.
Viele Unternehmen verfügen über enormes Wissen. Für einen guten B2B-Text muss dieses Wissen geordnet und zugespitzt werden, ohne es zu verfälschen.
Genau darin liegt eine zentrale Kompetenz erfahrener Kommunikator*innen. KI kann bei dieser Arbeit unterstützen. Sie kann sie allein aber nicht leisten.
KI als Werkzeug im redaktionellen Prozess
Wir verkaufen keine Wörter. Wir helfen Unternehmen dabei, relevante Geschichten zu finden und interessant zu erzählen. KI hilft uns dabei an einigen Stellen des Prozesses.
- Bei der Recherche kann sie helfen, ein Themenfeld zu erschließen, erste Suchrichtungen zu entwickeln oder Fragen für ein Interview vorzubereiten.
- Bei Interviews erleichtert KI die Transkription. Dadurch bleibt mehr Zeit für die Auswertung.
- Bei der Strukturierung kann KI Material ordnen, Zusammenhänge sichtbar machen und verschiedene Gliederungen vorschlagen. Auch bei Formulierungen ist sie nützlich.
Die entscheidende Arbeit bleibt dennoch Aufgabe des Menschen: verstehen, auswählen, prüfen, einordnen und überarbeiten. KI ist damit kein Ersatz für redaktionelles Denken. Sie ist ein Werkzeug innerhalb eines redaktionell geführten Prozesses.
Kontext und Verantwortung bleiben menschliche Aufgaben
Gerade in der Unternehmenskommunikation reicht es nicht, dass ein einzelner Text gut klingt. Er muss zur Positionierung und Historie des Unternehmens passen. KI kann Texte erzeugen, aber keine redaktionelle Verantwortung übernehmen. Am Ende muss ein Mensch entscheiden, ob eine Behauptung belastbar ist, ein Zitat korrekt wiedergegeben wurde und das Unternehmen die formulierte Position tatsächlich vertreten kann.
KI kann Texte erzeugen, aber keine redaktionelle Verantwortung übernehmen.
Das heißt nicht, dass der Entstehungsprozess vollkommen irrelevant ist. Datenschutz, Vertraulichkeit, Quellen, Freigaben und interne Regeln spielen eine wichtige Rolle. Dafür braucht es klare Prozesse: Welche Daten dürfen verarbeitet werden? Wer gibt den Text frei? Wer steht für das Ergebnis ein? Das sind Fragen guter Governance. Ein vermeintlicher KI-Prozentsatz beantwortet sie nicht.
Die besseren Fragen für B2B-Kommunikatoren
Statt zu fragen, wie viel KI vermutlich in einem Text steckt, sollten B2B-Kommunikator*innen andere Kriterien anlegen:
- Sind Aufgabe und Zielgruppe klar?
- Beantwortet der Text eine relevante Frage?
- Beruht er auf belastbaren und geprüften Informationen?
- Enthält er eine eigenständige Perspektive?
- Ist er verständlich und hält er die Aufmerksamkeit?
- Passt er zur Positionierung, und kann das Unternehmen für die Aussagen einstehen?
Diese Fragen sind anspruchsvoller als ein Prozentwert. Aber sie kommen der tatsächlichen Qualität eines Textes deutlich näher. Die wichtigste Frage lautet also nicht: Wer hat diesen Satz formuliert? Sondern: Wer hat dafür gesorgt, dass er richtig, relevant und erzählenswert ist?
Dieser Artikel ist ein gutes Beispiel für die These, die er vertritt. Er ist weder vollständig „von Hand“ noch vollständig „mit KI“ entstanden.
Der Prozess sah ungefähr so aus:
Die Ausgangsthese entstand in Gesprächen mit Kolleg*innen. Anschließend wurden Argumente, Gegenpositionen und Beispiele gesammelt. KI half, das Material zu ordnen, Lücken zu erkennen und einen Rohtext zu entwickeln. Danach wurde der Entwurf redaktionell geprüft, gekürzt, ergänzt und an unsere Haltung und unseren Stil angepasst. KI war dabei Co-Pilot – die redaktionelle Verantwortung lag beim Team.


