Der große Magaziniker-Smalltalk-Guide

Kennen Sie das? Sie werden bei einem Termin in Smalltalk verwickelt, Ihnen fällt aber kein Thema ein. Unser Wissens-Doyen Florian hilft. Fortan lässt er nicht nur uns in jeder Mittagspause, sondern auch Sie zweimal im Monat an seinem Wissensschatz teilhaben.


Münzgeld wurde erfunden, um Krieg zu führen

Söldner kosten viel Geld. Zum Glück konnte man das einfach erfinden.

Das in der Schule gelehrte Märchen lautet: Münzgeld entstand, um besser tauschen zu können. Der Fischer steht auf dem Markt und hat zehn Fische, der Schreiner hat einen Stuhl. Der Fischer will einen Stuhl, der Schreiner will aber keinen Fisch. Ach, wenn sie doch bloß Geldmünzen hätten!

Solche frustrierenden Marktszenen gab es allerdings nie und die historische Realität sieht völlig anders aus: Münzen wurden erfunden, um Söldner für Krieg und Beutezug zu bezahlen. Aber was macht ein Söldner mit einer Münze, wenn er damit weder Fisch noch Stuhl erwerben kann?

Auf den jämmerlich Versklavten in den Minen ruhte die militärische Macht der herrschenden Klasse.

Hier gibt es einen genialen Trick, auf den die herrschende Klasse fast überall gekommen ist: Gleichzeitig mit der Söldnerbezahlung erließ der örtliche Warlord (vulgo: König) ein Gesetz, das seine Untertanen zwang, Schutzgeld (vulgo: Steuern) zu zahlen – und zwar in Form von Münzen, die der Warlord selbst in Umlauf gebracht hatte. Damit waren die Münzen des Herrschers auf einmal etwas wert und die Soldaten konnten einkaufen gehen.

Bezahlt haben das Kriegsspektakel also die Abgabepflichtigen. Und das System nährte sich selbst: Die im Krieg gefangenen Sklaven schmiss man in die Bergwerke. Sie mussten Metalle für Münzen schürfen. Das Ergebnis: mehr Silber ⇒ mehr Söldner ⇒ mehr Krieg ⇒ mehr Sklaven ⇒ mehr Silber und so weiter.

Ein Komet zieht seinen Schweif nicht hinter sich her

In welche Richtung fliegt dieser Komet? Das kann man leider nicht sagen.

In den Weiten des Alls surren massive Gesteinsbrocken durch den Raum (die kleinen nennt man Meteoriten, die großen Asteroiden) und dann gibt es noch Kometen. Kometen bestehen hauptsächlich aus Eis und Staub – ein dreckiger Schneeball sozusagen.

Charakteristisch für einen Kometen, den man von der Erde aus sehen kann, ist der Schweif, der manchmal mehrere hundert Kilometer lang sein kann. Er bildet sich nur, wenn der Komet in der Nähe der Sonne ist. Denn der Schweif entsteht durch den Strahlungsdruck des sogenannten Sonnenwindes. Die Sonne schleudert ständig geladene Teilchen ins All. An den Polen der Erde verursacht dieser Sonnenwind das Polarlicht. Bei Kometen bläst er Eis- und Staubpartikel an der Oberfläche einfach weg und lässt sie verglühen – das ist der Schweif.

Das heißt, der Kometenschweif bildet sich stets in die Richtung, in die der Sonnenwind „weht“, zeigt also immer von der Sonne weg – und hat überhaupt nichts mit der Flugrichtung des Kometen zu tun. Der Schweif kann auch vor dem Kometen sein.

Ist die Sonne dann weit genug weg, rasen die geschrumpften Schneebälle wieder ohne Schweif durch die Schwärze.

Nachtruhe ist etwas Neues

Nachts wach? Früher hätte man den Nachbarn besucht.

Nachts schläft der Mensch – am besten in einem Rutsch durch. In den USA waren das um 1900 rum im Schnitt pro Nacht noch zehn Stunden, in den 1950ern acht Stunden, inzwischen bloß noch sechseinhalb Stunden. Jedenfalls steht man hernach auf und der Tag kann losgehen. Normal, oder? Nö.

Denn die Menschen in Europa und anderen westlichen Ländern schlafen erst seit der Industrialisierung so, also seit rund 200 Jahren. Die Arbeiter, Schüler, Soldaten und Bürokraten sollten sich morgens frisch in den für alle gleichen Takt der Produktion, Schulanstalt, Armee oder Amtsstube einfügen. Bei rund 300.000 Jahren Geschichte schlafender Homo sapiens auf dem Planeten begann das quasi erst gestern.

Historisch belegt ist, dass die Menschen der frühen Neuzeit üblicherweise in zwei Phasen schliefen. Zum Beispiel so: Um sieben, acht sank man ins Bett und pennte drei, vier Stunden. Dann war man wieder wach und hatte ein, zwei Stunden Zeit für Nötiges und Spannendes: Holz aufs Feuer legen, mit dem Nachbarn reden, Briefe schreiben, Sex haben oder zum gerade angesagten Gott beziehungsweise Heiligen beten. Dann schlief man wieder vier, fünf Stunden. Auch am Tage gönnte man sich in der Regel ein, zwei kurze Schläfchen. Einen sozusagen natürlichen Schlafrhythmus gibt es deswegen noch lange nicht – die Menschen schliefen und schlafen je nach ortsüblichem Alltag einfach verschieden. Alles eine Frage der Anpassung.

Florian Burkhardt

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